Kirchenvisionen. Paul M. Zulehner darüber, wie wir aus der Kirchendepression kommen können

Bild:Kirchenvisionen. Paul M. Zulehner darüber, wie wir aus der Kirchendepression kommen können  Über 250 Besucher waren am Freitag, 27. April, der Einladung des Dekanats Friedrichshafen und der Katholischen Erwachsenenbildung Bodenseekreis (keb FN) zu diesem Impulsreferat ins Gemeindezentrum St. Gallus in Tettnang gefolgt, darunter viele Pfarrer wie auch hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter aus den einzelnen Seelsorgeeinheiten. Dekan Reinhard Hangst und der Leiter der keb FN, Lothar Plachetka, begrüßten sehr herzlich die Gäste und den Referenten, Professor Dr. Paul M. Zulehner. Der bekannte Religionssoziologe, der bis zum Jahr 2008 ein Vierteljahrhundert lang den weltältesten Lehrstuhl für Pastorale Theologie in Wien inne hatte, trat mit seiner Aufforderung, die kirchliche Blickrichtung an mehreren Stellen zu ändern, an Kleriker wie auch an Laien heran, einer sich anbahnenden lähmenden Depression des Untergangs zu begegnen.

Wenn im hiesigen Dekanat in den letzten Jahren die Zahl der Katholiken von 62.000 auf 58.000 gesunken sei, wie Dekan Hangst in seiner Einführung beklagte, so verglich Zulehner diesen Rückgang mit 13 % Kirchenaustritten in Österreich auf dem Höhepunkt der Missbrauchsdiskussion, 44 % hätten ihren Verbleib mit „jetzt erst recht“ betont, der Rest aber sei „stand by“, was heiße, dass diese Katholiken sich noch in einem Überlegungsprozess befänden. Die Menschen müssen also nachdenken und sich bewusst entscheiden. In wenigen Sätzen folgert der Referent, die konstantinische Ära der Kirche sei zu Ende, die Kirche befinde sich in einer tiefen Umwandlung ihrer Gestalt, einer Entwicklung von „Schicksal zu Wahl“. In einer sich wandelnden Zeit und Welt könne mit nur strukturellen Maßnahmen angesichts knapper werdender Mittel und schrumpfenden Personals das Auslaufen dieser überkommenen Kirchengestalt nicht verhindert werden. Der notwendige Umbau könne jedoch mit kräftigen Visionen gelingen. Was an Jesus die Menschen fasziniert habe, sei seine Vision vom Reich Gottes, seine Bergpredigt als eine der kostbaren Fundgruben. Zulehner verlässt sich auf die Aussagekraft von Bildern, wie sie die religiöse Kunst zuhauf hervorgebracht hat. Bei Simon von Taistens Darstellung „Abendmahl und Fußwaschung“ verweist er auf die Spiritualität und Sozialität: Eintauchen in Gott und Auftauchen in der solidarischen Liebe zueinander, d.h. Gottesliebe und Nächstenliebe. Nicht mehr sich selbst behaupten, sondern sich generös verschenken können – eine Gotteserfahrung aus erster Hand. Entscheidend für Zulehner ist, dass die Menschen von den Irritationen als Trennungskräften wegkommen und stattdessen die Gratifikationen, die Bindungskräfte stärken. „Wer gerne Kirche ist, tritt nicht aus. Je mehr jemand Bindungskräfte bildet, desto weniger löst er sich.“ Das geschehe in Ritualen, bedeute aber auch, dass junge Menschen mitgestalten können, z.B. im Firmunterricht an Projekten teilnehmen. Innovative Kräfte müssen unterstützt werden, denn sie bringen neues Leben in die Organisation. Da Gott in jedem Menschen präsent sei, habe jeder eine Vision, die von innen komme. Alle Getauften und Gefirmten seien gefragt und damit aufgewertet, denn die Kirche gründe sich nur als Volk Gottes. In seinen einzelnen Perspektivenwechseln führte Zulehner die Zuhörer vom engen Kirchenblick zum Blick auf die Heilsgeschichte, vom Heilspessimismus zum Heilsoptimismus. Denn Jesus hat sich für alle Menschen hingegeben als der liebende Spielmann Gottes, der uns aus unserer menschlichen Endlichkeit durch seine Auferstehung in das Land des Lebens zurückführt. Bei ihm siegt die Liebe über den Tod. In Jesu Spur bleiben heiße, ihn nicht nur anzubeten, sondern ihm nachzufolgen. Bei all unseren Irrwegen und allem Scheitern gelte, dass wir nie tiefer fallen können als in die bergenden Hände Gottes. Die Diagnose und die therapeutischen Impulse Zulehners überzeugten, wie der lang anhaltende Beifall zeigte. Der Professor würzte seine beeindruckenden Ausführungen immer wieder mit eingestreuten ironischen Kommentaren und feinen Seitenhieben. Nach einer kurzen Fragerunde dankte Pfarrer Scherer als Beauftragter für die Erwachsenenbildung im Dekanat dem Referenten, den Organisatoren und dem Hausherrn, Prälat Pfarrer Hagmann. Siegfried Obert



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